Die folgenden Texte und Bilder wurden uns freundlicherweise von der Kevelaerer Enzyklopädie  Blattus Martini - zur Verfügung gestellt.
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Am Anfang
Einen Vorläufer des Freibad gab es Ende des 19. Jahrhunderts auf Schravelen hinter dem Mühlenrad der Ölmühle der Gebr. Neles. Eintritt in dieses öffentliche, privat betriebene Freibad kostete 25 Pfenning. Für 3 Mark wurde Abonnementkarten verkauft. Die Schwimmfreunde in Kevelaer zogen es jedoch vor, in der Niers zu baden, und gründeten 1911 den Kevelaerer Schwimmverein. Weil jedoch der Kleinfluss zunehmend verschmutzte, war auch diesem "Naturfreibad" nur eine kurze Lebensdauer beschieden. Nach Einstellung des Badebetriebs löste sich bald der Schwimmverein auf. 

 

Die Badeanstalt

Das nach Auskiesung entstandene Natur-Freibad (gerne auch "Badeanstalt" genannt) an der Dondert.

Das Freibad im Jahr 1992
Im Herbst 1990 wurden dem Rat 450 Unterschriften gegen eine Schließung des Freibads vorgelegt. 1991 begrub der Stadtrat sein ehrgeiziges Projekt einer "Hallenbad-Attraktivierung" mit Außenbecken, weil es die finanziellen Möglichkeiten der Stadt überfordert hätte.
1928
1928 begann die Gemeinde auf Drängen des damaligen Kevelaerer Turnvereins (KTV)  mit dem Bau des Freibads an der Dondertstraße.

1929 kieste die Kevelaerer Firma Quick das Becken für die künftige Badeanstalt aus.

Eröffnet wurde das Freibad Kevelaer schließlich im Sommer 1929. Das Wasser des eröffneten Naturbads, das auch noch lange Zeit danach gerne einfach "Badeanstalt" genannt wurde,  erneuerte sich ständig durch den Bach Dondert, der durch das Becken floss.  

Im selben Jahr und mit der Eröffnung wurde auch die Schwimmabteilung des KTV gegründet. 1933 schloss sich der KTV mit dem konkurierenden VFL Roland zum TUS Kevelaer (Turn und Sportverein Kevelaer e.V.) zusammen.


(Originalfoto: Karl-Heinz Quick)


Schwimmen.... lernen

Erster Bademeister war Michael Gey, der im Gründungsjahr mit Franz Douteil die Schwimmabteilung ins Leben rief.

Generationen haben bei ihm Schwimmen gelernt. Der 1898 als ältestes von 17 Kindern eines Bahnbeamten in Köln geborene Michael Gey war nach einer Lehre als Schlosser und Schmied in Düsseldorf dem Klever Sportverein Merkur beigetreten. Er bestritt in der Folgezeit Schwimmwettkämpfe und war eine Zeitlang Riegenführer. Seine Schwimmeisterprüfung (Examen an einer Sporthochschule) legte er in Bonn ab.

Mit Kevelaer kam Michael Gey über die Liebe in Kontakt - genauer gesagt über Maria Vehreschild, die er 1921 heiratete.

1947 - Die Wiedereröffnung

Das durch Kriegseinwirkung unbrauchbar gewordene Freibad wurde 1947 entschlammt und für die Besucher wieder freigegeben. Später wurde der "Badetümpel" mit Betonwänden eingefasst. Wie bei dieser Aktion festgestellt wurde, lebten im schlammigen Boden überaus viele und große Aale.

Die Stadt hatte damals jedoch kein Geld, das Bad zu unterhalten und zu betreiben. Die Familie Gey (Michel, Maria, Gottfried, Willi, Irmgard, Helga und Gisela) pachtete kurzer Hand das komplette Freibad an der Dondert von der Stadt. Die Reparaturarbeiten konnte der gelernte Schmied und Schlosser, Michael Gey, selbst bewältigen.

Stürmische Zeiten
1962 wurde das Dondert-Bad auf 2.000 qm Wasserfläche ausgedehnt. 1965 vergrößerte die Stadt die WC-Anlagen. In den Folgejahren stets nur notdürftig betreut, entwickelte sich das Freibad wegen des Renovierungsstaus zu einem drückenden Kostenfaktor für die Stadt. Erstmals kam 1983 der Gedanke auf, das Freibad aufzugeben, Grund und Boden an Bauwillige zu verkaufen und das zu erweiternde Hallenbad als Ersatz anzubieten. Dafür gab es aber in der Politik keine Mehrheit.

Statt Aufgabe war nun Ausbau angesagt. 1987 plante die Stadt, die Liegeflächen zu erweitern. Aber weil die Beckenfolie defekt geworden war und der Renovierungsdruck stieg, freundeten sich 1988 immer mehr Politiker mit der Idee an, das "Dondert" aufzugeben und im Rahmen einer "Hallenbadattraktivierung" dort einen Außenpool anzulegen. Doch bevor die Stadt Nägel mit Köpfen machen konnte, legte Ende 1988 der Kreis Kleve als Aufsichtsbehörde sein Veto gegen das Finanzierungskonzept ein. Gleichwohl lehnte die Ratsmehrheit die Antrag der Grünen ab, sich aus der Pattsituation zu befreien und nunmehr das Freibad an der Dondert zu sanieren.

1990 rang sich die Stadt dazu durch, Wiesen zur Erweiterung der Liegeflächen anzupachten. Weil der Stadtrat seinen Plan weiter verfolgte, am Hallenbad ein verkleinertes Freibad anzubauen, wollte er kein Geld mehr in das Dondert-Bad investieren. Dringend notwendige Reparaturen blieben aus.

Im Herbst 1990 wurden dem Rat 450 Unterschriften gegen eine Schließung des Freibads vorgelegt. 1991 begrub der Stadtrat sein ehrgeiziges Projekt einer "Hallenbad-Attraktivierung" mit Außenbecken, weil es die finanziellen Möglichkeiten der Stadt überfordert hätte.
Die Rettung
1995 schien die Hängepartie zu Ende zu sein, als für eine Freibad-Sanierung ein Zuwendungsbescheid der Regierung über 500.000 Mark eintraf. Aber anstatt den Zuschuss zu nehmen und zusätzlich 1,5 Millionen Mark ins Freibad zu investieren, verzichtete Kevelaer auf die halbe Million aus Düsseldorf. Es tat sich - mal wieder - nichts.

Da setzte sich ein 1996 Krisenstab aus Mitgliedern verschiedener Vereine zusammen und suchte einen Ausweg aus der verfahrenen Situation. Die Freibad-Freunde sammelten Tausende Unterschriften und gründeten im Mai 1997 den Bäderverein Kevelaer, der sich bald zur größten Bürgerbewegung entwickelte, die es je in Kevelaer gegeben hat.

Der Bäderverein übernahm das Management und schaffte es, dass das Freibad Zug um Zug saniert, ausgebaut und verschönert wurde - und vor allem erhalten bleibt.